Neue Akteure und veränderte Dynamiken in der Förderlandschaft der Ukraine
Einleitung: Warum ist das Thema gerade relevant?
Die Ukraine befindet sich auch im Jahr 2025 in einem brutalen Abnutzungskrieg, der nicht nur Menschenleben fordert und Städte zerstört, sondern auch die wirtschaftliche und soziale Struktur des Landes zutiefst erschüttert.
Parallel zu den militärischen Anstrengungen läuft jedoch ein ebenso komplexer wie entscheidender Prozess ab: die Finanzierung des Überlebens, des Widerstands und des zukünftigen Wiederaufbaus der Ukraine. Dieses Thema ist von akuter Relevanz, da die Art und Weise, wie die internationale Gemeinschaft und die Ukraine selbst die enormen finanziellen Herausforderungen meistern, nicht nur über das Schicksal des Landes entscheiden wird, sondern auch prägend für zukünftige internationale Krisenbewältigungsstrategien sein kann.
Wir beobachten eine dynamische Transformation der Förderlandschaft. Traditionelle Geber und Mechanismen werden durch neue Akteure, innovative Finanzierungsinstrumente und veränderte geopolitische Prioritäten ergänzt und teilweise herausgefordert. Für Unternehmen, politische Entscheidungsträger, Investoren und die Zivilgesellschaft ist es unerlässlich, diese Entwicklungen zu verstehen.
Es geht um Transparenz, Effektivität, aber auch um die strategischen Interessen, die hinter den Milliardenhilfen stehen. Die Zukunft der Ukraine wird maßgeblich davon abhängen, wie erfolgreich diese neue, komplexe Förderarchitektur gestaltet und umgesetzt wird – und welche Lehren wir alle daraus ziehen. Dieser Beitrag beleuchtet die aktuellen Fakten, die sich abzeichnenden Chancen und Risiken sowie die Zukunftstrends dieser sich rasant entwickelnden Förderlandschaft.
Der Artikel als Podcast
In dieser Episode tauchen wir ein in die komplexe Welt der Finanzierung für den Wiederaufbau und die Zukunft eines Landes im Krieg. Basierend auf umfassender Recherche beleuchten wir, wer die entscheidenden Akteure sind, welche neuen Mechanismen zum Einsatz kommen und welche gewaltigen Herausforderungen und Chancen damit verbunden sind.
Das sich wandelnde Förderökosystem in der Ukraine

Was passiert: Fakten, Entwicklungen, aktueller Stand
Die finanzielle Unterstützung der Ukraine ist seit Februar 2022 zu einer globalen Anstrengung historischen Ausmaßes angewachsen. Die jüngsten Schätzungen der Weltbank und der UN (Rapid Damage and Needs Assessment, RDNA4) beziffern den Bedarf für Wiederaufbau und Erholung auf mindestens 524 Milliarden US-Dollar – eine Summe, die mit jedem weiteren Kriegstag steigt. Angesichts dieser gewaltigen Zahlen hat sich die Förderlandschaft rasant entwickelt und diversifiziert.
- Traditionelle Säulen und ihre verstärkte Rolle:
- Internationale Finanzinstitutionen (IFIs):
Die Weltbank hat seit Kriegsbeginn fast 43 Milliarden US-Dollar mobilisiert, wovon ein Großteil über Treuhandfonds wie den Ukraine Relief, Recovery, Reconstruction and Reform Trust Fund (URTF) und die Ukraine ERA (Economic Resilience and Assistance) läuft. Diese Mittel fließen in die Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen, die Reparatur kritischer Infrastruktur und die Unterstützung des Privatsektors. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stützt mit seinem Extended Fund Facility (EFF)-Programm in Höhe von rund 15,5 Milliarden US-Dollar (Teil eines 148,8 Milliarden US-Dollar schweren Gesamtpakets) die makroökonomische Stabilität und flankiert Reformprozesse. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) hat über 7 Milliarden Euro seit Februar 2022 bereitgestellt und ihr Kapital um 4 Milliarden Euro erhöht, um ihre Aktivitäten in Bereichen wie Energiesicherheit, Infrastruktur und Privatsektorförderung zu intensivieren. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat seit 2022 rund 2,2 Milliarden Euro ausgezahlt und plant weitere 2 Milliarden Euro an Investitionen, insbesondere im Rahmen der EU-Ukraine-Fazilität.
- Internationale Finanzinstitutionen (IFIs):
- Die Europäische Union als zentraler Akteur:
Die EU hat ihre Rolle als einer der größten Geber massiv ausgebaut. Die EU-Ukraine-Fazilität, ein bis zu 50 Milliarden Euro schweres Programm für den Zeitraum 2024-2027, ist das Kernstück der europäischen Unterstützung. Sie umfasst nicht rückzahlbare Hilfen, Darlehen und Garantien. Bis April 2025 wurden bereits 19,6 Milliarden Euro ausgezahlt. Ein wichtiger Bestandteil ist der Ukraine Investment Framework, der mit Garantien und Zuschüssen private Investitionen mobilisieren soll. Die EU legt großen Wert auf Konditionalität, d.h. die Verknüpfung von Finanzhilfen mit konkreten Reformfortschritten im Rahmen des "Ukraine-Plans".
- Bilaterale Geber und neue nationale Instrumente:
- USA: Die Vereinigten Staaten bleiben ein entscheidender Geber. USAID hat seit 1992 Milliarden in die Ukraine investiert und seit 2022 über 30 Milliarden US-Dollar an direkter Budgethilfe sowie Milliarden für humanitäre und Entwicklungshilfe bereitgestellt. Ein innovatives und geopolitisch bedeutsames neues Instrument ist der US-Ukraine Reconstruction Investment Fund (RIF). Dieser Fonds, der paritätisch von den USA und der Ukraine verwaltet wird, soll durch Einnahmen aus der Lizenzierung ukrainischer Bodenschätze finanziert werden und zielt auf die Mobilisierung von privatem US-Kapital für strategische Sektoren.
- Großbritannien: Das Vereinigte Königreich hat rund 5 Milliarden Pfund für nicht-militärische Hilfe zugesagt (fiskalische Unterstützung, bilaterale Hilfe für Reformen, Energie, Wiederaufbau). Die Exportkreditagentur UKEF stellt 3,5 Milliarden Pfund für Wiederaufbau, Energie und Verteidigung bereit, und British International Investment kooperiert mit der EBWE.
- Deutschland: Deutschland ist einer der größten bilateralen Geber (über 47 Milliarden Euro Gesamtunterstützung bis März 2025). Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) sind zentrale Akteure bei der Finanzierung von Infrastruktur, Energie, Unterstützung für Binnenvertriebene und der Förderung des Privatsektors. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Initiative "Wiederaufbau Ukraine" gestartet.
- Weitere G7-Partner: Frankreich (über die Agence Française de Développement - AFD), Kanada (Global Affairs Canada) und Japan (Japan International Cooperation Agency - JICA) leisten ebenfalls substanzielle bilaterale Beiträge in Milliardenhöhe, oft fokussiert auf spezifische Sektoren wie Energie, Minenräumung, Gesundheitswesen oder kritische Infrastruktur.
- Neue Akteure im Innovations- und Verteidigungssektor:
Der ursprüngliche GTAI-Artikel beleuchtete bereits die aufstrebende Förderlandschaft für Start-ups und Technologie. Diese hat sich weiter verfestigt:
- Der Ukrainian Startup Fund (USF), staatlich initiiert, vergibt Zuschüsse an Frühphasen-Start-ups und hat spezielle Programme für Dual-Use-Technologien.
- Brave1, ein von der Regierung unterstützter Verteidigungstechnologie-Cluster, hat sich als zentraler Akteur für die Förderung von Innovationen im Verteidigungsbereich etabliert und bereits Hunderte von Projekten finanziert.
- EU-Programme wie Seeds of Bravery (unter dem European Innovation Council - EIC) und das Netzwerk der European Digital Innovation Hubs (EDIH), wie das EUNITED Digital Hub, bieten ukrainischen Tech-Unternehmen Finanzierung, Mentoring und Zugang zu europäischen Märkten.
- Private Initiativen wie Ukraimpulse Ventures (deutsche Business Angels) oder die Polish-Ukrainian Startup Bridge ergänzen das Bild.
- Der Ukraine-Moldova American Enterprise Fund (UMAEF), mit einer längeren Geschichte, investiert in KMU und fördert die wirtschaftliche Entwicklung, einschließlich des Technologiesektors.
- Koordination und Transparenz als Daueraufgaben:
Angesichts der Vielzahl von Akteuren ist Koordination entscheidend. Die im Januar 2023 eingerichtete Multi-agency Donor Coordination Platform for Ukraine (UDP), unter dem gemeinsamen Vorsitz der EU, der USA und der Ukraine, dient als zentrales Forum für die Abstimmung der Geber. Dennoch gibt es weiterhin Herausforderungen bei der Harmonisierung und der Vermeidung von Doppelarbeit, wie Analysen (z.B. vom CEPR) zeigen. Für Transparenz und Rechenschaftspflicht setzt die Ukraine zunehmend auf digitale Lösungen. Das Digital Restoration Ecosystem for Accountable Management (DREAM) ist eine zentrale Plattform, die Projektdaten von der Planung bis zur Umsetzung öffentlich zugänglich machen soll und von internationalen Partnern wie Großbritannien unterstützt wird.
- Die Rolle des Privatsektors und Philanthropie:
Während staatliche und multilaterale Geber den Großteil der Finanzierung stemmen, wächst die Erkenntnis, dass der Wiederaufbau ohne massive private Investitionen nicht gelingen wird. Initiativen wie der Ukraine Investment Framework der EU oder der US-Ukraine RIF zielen explizit darauf ab, privates Kapital zu mobilisieren. Türkische Bauunternehmen zeigen beispielsweise großes Interesse am Wiederaufbau. Große private Stiftungen wie die Open Society Foundations (über die International Renaissance Foundation) sind langjährige Förderer der Zivilgesellschaft und demokratischer Reformen und haben ihre Unterstützung seit 2022 massiv ausgeweitet.
Was bedeutet das: Chancen, Risiken, Auswirkungen
Die Neugestaltung der Förderlandschaft birgt ein komplexes Geflecht aus Chancen, Risiken und weitreichenden Auswirkungen für die Ukraine und die internationale Gemeinschaft.
- Chancen:
- Modernisierung und "Build Back Better":
Der Wiederaufbau bietet die historische Chance, nicht nur Zerstörtes wiederherzustellen, sondern die Ukraine grundlegend zu modernisieren. Dies umfasst den Aufbau resilienter und energieeffizienter Infrastruktur, die Einführung moderner Technologien und die Anpassung an EU-Standards.
- Beschleunigte EU-Integration:
Die massive finanzielle und technische Unterstützung ist eng mit dem EU-Beitrittsprozess verknüpft. Die Konditionalität der Hilfen kann als Katalysator für tiefgreifende Reformen in Justiz, Verwaltung und Korruptionsbekämpfung wirken.
- Grüner Wiederaufbau:
Es besteht ein starker internationaler Konsens, den Wiederaufbau an Prinzipien der Nachhaltigkeit auszurichten. Initiativen wie die "Platform for Action on the Green Recovery of Ukraine" (UGRP) oder das deutsch-finanzierte IKI/EIB RES Programm für erneuerbare Energien in öffentlichen Gebäuden zeigen das Potenzial für eine grüne Transformation.
- Digitale Transformation als Vorbild:
Die Ukraine hat bereits vor dem Krieg mit digitalen Diensten wie "Diia" beeindruckende Fortschritte erzielt. Systeme wie DREAM können die Transparenz im Wiederaufbau revolutionieren und als Modell für andere Länder dienen.
- Stärkung von Governance und Zivilgesellschaft:
Die internationale Aufmerksamkeit und die an Reformen geknüpften Hilfen können die Rechenschaftspflicht staatlicher Institutionen erhöhen und die Rolle einer wachsamen Zivilgesellschaft stärken.
- Innovationsschub:
Insbesondere im Verteidigungssektor hat der Krieg einen Innovationsschub ausgelöst (z.B. Drohnentechnologie), der durch Cluster wie Brave1 gefördert wird und langfristig auch zivile Anwendungen finden könnte.
- Modernisierung und "Build Back Better":
- Risiken:
- Sicherheitsrisiken:
Die anhaltenden Kampfhandlungen stellen das größte Risiko dar. Investitionen und Wiederaufbauprojekte sind ständig von Zerstörung bedroht, was die Planbarkeit erschwert und Kosten in die Höhe treibt.
- Korruption und Missmanagement:
Trotz signifikanter Fortschritte bei der Schaffung von Anti-Korruptions-Institutionen (NACP, NABU, HACC) und digitalen Transparenzsystemen bleibt Korruption eine erhebliche Bedrohung für die effektive Nutzung der Hilfsgelder. Die schiere Menge der Mittel erhöht das Risiko.
- Begrenzte Absorptionskapazität:
Die Fähigkeit der ukrainischen Institutionen auf nationaler und lokaler Ebene, die enormen Finanzströme effizient zu verwalten, zu planen und umzusetzen, ist eine Herausforderung. Der Aufbau entsprechender Kapazitäten (Public Investment Management - PIM) ist entscheidend.
- Koordinationsdefizite und Fragmentierung:
Die Vielzahl der Geber und Programme birgt das Risiko von Doppelarbeit, widersprüchlichen Prioritäten und einer Überforderung der ukrainischen Partner, trotz Plattformen wie der UDP.
- Nachlassende Gebermüdigkeit und politische Verschiebungen:
Die Aufrechterhaltung des politischen Willens und der finanziellen Unterstützung über einen langen Zeitraum ist eine Herausforderung, insbesondere angesichts eigener wirtschaftlicher Probleme in den Geberländern oder politischer Veränderungen (z.B. die Auswirkungen von US-Hilfskürzungen, wie im ACAPS-Bericht dokumentiert).
- Schuldenlast und Abhängigkeit:
Ein hoher Anteil an Krediten könnte die Ukraine langfristig mit einer untragbaren Schuldenlast konfrontieren und eine Abhängigkeit von externen Geldgebern zementieren.
- Geopolitische Instrumentalisierung:
Finanzhilfen können mit strategischen Interessen der Geberländer verknüpft sein, was zu Spannungen oder einer einseitigen Ausrichtung der Entwicklung führen könnte (z.B. Debatten um den US-Ukraine RIF und den Zugang zu Rohstoffen).
- Sicherheitsrisiken:
- Auswirkungen:
- Für die Ukraine:
Die Förderlandschaft entscheidet maßgeblich über die Fähigkeit des Landes, den Krieg zu überstehen, staatliche Grundfunktionen aufrechtzuerhalten, die Wirtschaft zu stabilisieren und eine Grundlage für eine souveräne, demokratische und prosperierende Zukunft zu legen. Sie beeinflusst die Geschwindigkeit und Qualität des Wiederaufbaus und die Tiefe der europäischen Integration.
- Für die internationale Ordnung:
Die Art und Weise, wie die Weltgemeinschaft die Ukraine unterstützt, sendet Signale über die Verbindlichkeit internationaler Normen, die Solidarität mit angegriffenen Staaten und die Fähigkeit, auf globale Krisen zu reagieren. Der Erfolg oder Misserfolg wird die Debatte über Souveränität, Sicherheitsarchitekturen und die Rolle von IFIs und Allianzen prägen.
- Für zukünftige Krisen:
Die in der Ukraine entwickelten und erprobten Finanzierungsmodelle, Koordinationsmechanismen und Transparenzinitiativen (wie PPPs, digitale Plattformen, an Reformen geknüpfte Großpakete) könnten als Blaupause für die Bewältigung zukünftiger großer internationaler Krisen und Wiederaufbauanstrengungen dienen.
- Für die Ukraine:
Was kommt: Zukunftsaussichten, Tendenzen
Die Förderlandschaft für die Ukraine wird sich weiter dynamisch entwickeln, getrieben von den Bedürfnissen vor Ort, den geopolitischen Realitäten und den Lernprozessen der beteiligten Akteure. Mehrere Tendenzen zeichnen sich ab:
- Langfristiges Engagement als Notwendigkeit:
Alle Akteure erkennen zunehmend, dass die Unterstützung der Ukraine kein kurzfristiges Unterfangen ist. Programme wie die EU-Ukraine-Fazilität (bis 2027) oder die Kapitalerhöhung der EBWE deuten auf eine längerfristige Perspektive hin. Die Sicherstellung einer nachhaltigen und vorhersehbaren Finanzierung wird entscheidend sein.
- Verstärkter Fokus auf Mobilisierung privaten Kapitals:
Angesichts der astronomischen Kosten des Wiederaufbaus ist klar, dass öffentliche Mittel allein nicht ausreichen werden. Instrumente zur Risikominderung (Garantien, Versicherungslösungen wie die von der französischen Bpifrance oder der britischen UKEF), Public-Private Partnerships (PPPs) und die Schaffung eines investitionsfreundlichen Klimas durch Reformen werden an Bedeutung gewinnen. Der US-Ukraine RIF ist ein Beispiel für einen Versuch, private Investitionen über unkonventionelle Wege zu hebeln.
- Vertiefung der Reformkonditionalität:
Die Verknüpfung von Finanzhilfen mit konkreten Fortschritten in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und guter Regierungsführung wird ein zentrales Element bleiben, insbesondere im Kontext des EU-Beitrittsprozesses. Die Erfüllung dieser Bedingungen wird für die Ukraine entscheidend sein, um den Fluss der Mittel aufrechtzuerhalten.
- Evolution digitaler Transparenz- und Managementinstrumente:
Plattformen wie DREAM werden weiterentwickelt und ausgebaut. Die Digitalisierung bietet immense Chancen für Effizienz, Rechenschaftspflicht und die Einbindung der Bürger in den Wiederaufbauprozess. Internationale Geber werden voraussichtlich verstärkt auf die Nutzung solcher Systeme drängen und deren Interoperabilität fördern.
- Anhaltende geopolitische Prägung:
Die strategischen Interessen der großen Geber (USA, EU, einzelne G7-Staaten) werden die Finanzierungsströme und -prioritäten weiterhin maßgeblich beeinflussen. Die Frage der Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte für den Wiederaufbau bleibt ein politisch sensibles, aber potenziell wichtiges Thema, dessen Lösung die Finanzierungslandschaft erheblich verändern könnte. Auch die Rolle nicht-westlicher Akteure wie China oder der Türkei wird genau beobachtet werden.
- Sektorale Prioritäten und "Build Back Greener & Smarter":
Neben der unmittelbaren Nothilfe und dem Wiederaufbau kritischer Infrastruktur wird sich der Fokus voraussichtlich stärker auf Sektoren mit hohem Wachstumspotenzial und strategischer Bedeutung richten (z.B. Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Agrartechnologie, IT, Verteidigungstechnologie). Das Prinzip des "Build Back Better" wird um die Dimensionen "Greener" und "Smarter" erweitert.
- Stärkung der lokalen Ebene:
Eine effektive Umsetzung des Wiederaufbaus erfordert die Stärkung der Kapazitäten auf regionaler und kommunaler Ebene. Die Dezentralisierungsreform der Ukraine bietet hierfür eine Grundlage, doch bedarf es gezielter Unterstützung für lokale Verwaltungen, um Projekte zu planen, zu managen und transparent umzusetzen.
- Entwicklung von Kriegsrisikoversicherungen:
Um private Investoren anzuziehen, sind tragfähige Lösungen für die Absicherung von Kriegsrisiken unerlässlich. Hier sind sowohl nationale Exportkreditagenturen als auch multilaterale Initiativen und der private Versicherungsmarkt gefordert, innovative Produkte zu entwickeln.
Was tun: Handlungsempfehlung und Schlussgedanke
Die Bewältigung der finanziellen Herausforderungen und der erfolgreiche Wiederaufbau der Ukraine erfordern ein konzertiertes und entschlossenes Handeln aller Beteiligten.
- Für die Ukraine:
- Konsequente Fortsetzung der Reformagenda:
Unabhängig vom Krieg müssen die Reformen in Justiz, Korruptionsbekämpfung, öffentlicher Verwaltung und Unternehmensführung vorangetrieben werden. Dies ist entscheidend für das Vertrauen der Geber und Investoren sowie für die EU-Integration.
- Maximale Transparenz und Rechenschaftspflicht:
Der Ausbau und die konsequente Nutzung digitaler Systeme wie DREAM, die Stärkung unabhängiger Aufsichtsgremien und die aktive Einbindung der Zivilgesellschaft sind unerlässlich, um Korruption vorzubeugen und die Legitimität des Wiederaufbauprozesses zu sichern.
- Stärkung der Absorptions- und Managementkapazitäten:
Investitionen in Humankapital und effiziente Verwaltungsstrukturen auf allen Ebenen sind notwendig, um die Hilfsgelder effektiv einsetzen zu können.
- Klare Prioritätensetzung und nationale Entwicklungsstrategie:
Eine von der Ukraine selbst getragene, klare Vision für den Wiederaufbau und die zukünftige Entwicklung des Landes ist notwendig, um die vielfältigen Hilfsangebote zu kanalisieren und Synergien zu schaffen.
- Konsequente Fortsetzung der Reformagenda:
- Für die internationalen Partner:
- Einheit, Langfristigkeit und Verlässlichkeit der Unterstützung:
Politische Geschlossenheit und die Bereitschaft zu einem langfristigen finanziellen und technischen Engagement sind unabdingbar. Ad-hoc-Zusagen müssen in verlässliche, mehrjährige Finanzierungsströme überführt werden.
- Innovative und flexible Finanzierungsmechanismen:
Es bedarf einer kontinuierlichen Anpassung und Weiterentwicklung der Förderinstrumente, einschließlich der verstärkten Nutzung von Garantien, Blended Finance und der Unterstützung für Kriegsrisikoversicherungen, um privates Kapital zu mobilisieren.
- Effektive Koordination und Harmonisierung:
Die Ukraine Donor Coordination Platform muss gestärkt und ihre Empfehlungen konsequent umgesetzt werden, um Fragmentierung zu vermeiden und die Effizienz der Hilfe zu maximieren.
- Unterstützung der ukrainischen Eigenverantwortung ("Ownership"):
Die internationalen Partner sollten die Ukraine bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer eigenen Wiederaufbaupläne unterstützen und die lokale Expertise und Zivilgesellschaft aktiv einbinden.
- Fokus auf Nachhaltigkeit und Resilienz:
Der Wiederaufbau muss ökologische und soziale Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen und die Resilienz der Ukraine gegenüber zukünftigen Schocks stärken.
- Einheit, Langfristigkeit und Verlässlichkeit der Unterstützung:
Was tun: Handlungsempfehlung oder Schlussgedanke
Die Neugestaltung der Förderlandschaft in der Ukraine ist mehr als nur eine Reaktion auf eine Krise. Sie ist ein Prüfstein für die internationale Solidarität und ein Labor für die Zukunft der globalen Entwicklungszusammenarbeit und Krisenbewältigung.
Die Herausforderungen sind immens, doch die Chance, eine modernere, resilientere und demokratisch gefestigte Ukraine aufzubauen, die fest in Europa verankert ist, ist ebenso groß.
Der Erfolg wird von der Entschlossenheit der Ukrainerinnen und Ukrainer abhängen, aber auch von der Weitsicht, der Ausdauer und der Innovationsfähigkeit ihrer internationalen Partner.
Was heute in und für die Ukraine finanziert und gestaltet wird, wird nicht nur die Zukunft dieses Landes, sondern auch die Konturen einer künftigen, hoffentlich friedlicheren und gerechteren Weltordnung mitbestimmen.
Aus den Trümmern der Verzweiflung bauen wir eine neue Welt der Hoffnung.
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Quellenangaben
(Auswahl basierend auf der Recherche):
- Germany Trade & Invest (GTAI)
- World Bank (RDNA Berichte, URTF, Ukraine ERA)
- International Monetary Fund (IMF) (EFF Program Reports)
- European Bank for Reconstruction and Development (EBRD)
- European Investment Bank (EIB)
- European Commission (EU Ukraine Facility, Ukraine Donor Platform)
- Kiel Institute for the World Economy (Ukraine Support Tracker)
- United States Agency for International Development (USAID)
- UK Foreign, Commonwealth & Development Office (FCDO)
- Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) / Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
- Agence Française de Développement (AFD)
- Japan International Cooperation Agency (JICA)
- Global Affairs Canada
- Ukrainian Startup Fund (USF)
- Brave1 Cluster
- European Innovation Council (EIC - Seeds of Bravery)
- Open Society Foundations (International Renaissance Foundation)
- Center for Strategic and International Studies (CSIS) (z.B. zum US-Ukraine RIF)
- German Marshall Fund of the United States (GMFUS) (z.B. zum Wiederaufbaugesetz)
- Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) (z.B. Integrity Reviews)
- Centre for Economic Policy Research (CEPR) (z.B. zur Wiederaufbauarchitektur)
- ACAPS (z.B. zum Impact von US-Hilfskürzungen)
- Websites und offizielle Dokumente der ukrainischen Regierung (z.B. zum DREAM-System)
